Ein
Paar Ratschläge für die Portraitmalerei
Hier gebe ich Ihnen ein Paar Anleitungen
und Ratschläge, die meiner
Ansicht nach sehr wichtig sind für die Portraitmalerei. Ich spreche
dabei weder von Technik und von Proportionen noch von Licht und Schatten.
Das alles ist natürlich sehr wichtig beim Zeichnen und Malen, aber dieses
Wissen ist für verschiedene Motive anwendbar. Für Landschaften,
Stillleben und abstrakte Bilder, sowie allgemein für Entwürfe von
Gemälden.
Das Portrait bleibt ein Spezialbereich
in den der Künstler sein Gefühl
zwar mit einbringen kann, aber auch ein Bild malen muss, das seinem Modell
gleicht. Es ist ein ganz besonderes Fach, in dem die klassischen Regeln,
die fürs Zeichnen und Malen gelten, nicht immer ausreichend sind. Es
gibt gute Künstler die kein ähnliches Porträt herstellen können
weil Ihnen der Zwang oder die Präzision - unbedingt erforderlich in
der Portraitmalerei - nicht liegen. Im Gegensatz dazu üben
andere Künstler jahrelang und kommen auf kein gutes Ergebnis.
Der Porträtmaler muss ein sicheres und sehr gutes Bilder- und Formengedächtnis
haben, damit er immer den Gesamteindruck seines Modells im Gedächtnis
behalten kann. Das hilft ihm sehr viel wenn er die Hauptlinien des Gesichts
zeichnet. Der Künstler muss sich auch konzentrieren können, mit
seiner ganzen mentalen Kraft, weil er diese Energie aus sich herausholen
muss, damit die Ähnlichkeit mit dem Modell entsteht. Dann wird es wunderbar,
magisch.
Hier sind meine Anleitungen ( in 7 Stufen )
1: Erstens, und bevor
man überhaupt anfängt zu malen, muss
man versuchen den Charakter des Modells herauszufinden, sein Gesicht richtig
beobachten und sich die wichtigsten Gesichtszüge in seinem Gedächtnis
einprägen. Es ist ein Eindruck den man sofort hat wenn man das Modell
zum ersten Mal sieht. Damit die Ähnlichkeit entsteht, muss man die vorherrschenden
Gesichtszüge des Modells aus diesem Anfangsstadium in Erinnerung behalten.
Es gibt Übungen für jeden, um sich in diesem Bereich zu verbessern.
Wenn es Sie interessiert, nehmen Sie einfach Kontakt mit mir auf.
2: Jeder Bleistift- oder
Pinselstrich muss sitzen. Man
muss bei jedem Strich sicher sein, jede Linie, die der Künstler an seinem
Modell sieht muss richtig auf dem Papier oder auf der Leinwand wiedergegeben
werden. In der Malerei muss man auf seiner Farbpalette die richtigen Farbtöne
herausfinden.
- die richtige Farbe (
blau, grün, braun usw. )
- die richtige Intensität
der Farbe ( mehr oder weniger rein,
leuchtend, matt oder mit grau verdünnt
)
- den richtigen Wert der Farbe (der Wert einer Farbe ist der Platz
den sie einnimmt in der Graduation, die von dunkel bis hell reicht.)
Von diesen 3 Elementen ist der
Wert der Farben die Hauptsache. Man muss sich immer im Klaren sein darüber, dass jeder Strich endgültig
ist und später nicht verbessert wird. Aus diesem Grund muss man so konzentriert
wie möglich sein.
3: Man muss sein Modell
intensiv beobachten um
die Gesichtszüge, die man hauptsächlich auf dem Bild
festhalten will, zur Geltung zu bringen. Das verlangt eine Art Mentalgymnastik,
wobei der Künstler das Gesicht seines Modells entwirft und vereinfacht.
Es ist gut wenn man mit möglichst minimalem Aufwand arbeitet. Ein
Paar Bleistift - oder Pinselstriche, die man genau aufträgt,
sind besser als hunderte annähernd genauer Striche. Wenn das Porträt
mit wenigen Aufwand oder wenig Material verwirklicht wird, gewinnt es an
Kraft und Ausdruck. Das ist auch der Grund warum ich die Bleistiftzeichnung
und Pastellmalerei bevorzuge. Es ist die beste und einfachste Technik
die es gibt. Benutzt man wenig Mittel, so muss man direkt und ehrlich in
seiner Zeichnung sein.
4: Das Gesicht das man
malt anschauen und vereinfachen indem
man es auf große Basisflächen ( 3 oder 4 ) aufteilt, auf
die die Einzelheiten der Augen, der Nase oder des Mundes kommen. Wenn diese
großen Flächen mit den Gesichtspartien in Ihrer Verteilung richtig
sind, hat das Porträt große Chancen, sehr identisch zu sein, auch
wenn man nicht sehr auf die Details eingeht. Andererseits: Ist die
Zeichnung nicht richtig aufgebaut und die Hauptproportionen sind nicht identisch,
wird das Porträt nicht ähnlich aussehen, wenn auch die Einzelheiten
präzise gezeichnet sind.
5: Schnell arbeiten: wenn
man schnell arbeitet, behält
man ein hohes Maß an Konzentration während der Malsitzung. Zudem
denke ich dass man solche Sitzungen nicht stundenlang durchführen kann.
Es ist eine anstrengende Arbeit in der sich der Künstler auf sein Modell
konzentriert und wo er seine Kreativität ausschöpfen muss. Schnell,
spontan und ohne an seiner Energie zu sparen. Und man kann, wenn man schnell
zeichnet, - sofern man schon genügend Praxis hat - manches sekundäre
Detail einfach wegfallen lassen und nur die wichtigsten Gesichtsformen in
Erinnerung behalten. Sie begleiten den Künstler während seiner
ganzen Arbeitszeit.

6 :Die Gesichtsform leicht und weich bearbeiten: diese
Arbeitsweise ist hauptsächlich für Pastell - oder Ölportraits
gedacht. Um einen realistischen Effekt zu erreichen, muss man den Hintergrund
mit dem Modell zerfließen lassen. Zum Beispiel seine Haare oder seine
Kleidung, die sehr realistisch erscheinen, wenn sie nicht zu sehr vor dem
Hintergrund auffallen. Das erlaubt es Ihnen auch, einige schöne oder
interessante Einzelheiten hervorzuheben, allein dadurch dass Sie auf diesem
Platz mehr Kontrast einfügen. Diese Art, leicht und zart zu malen, ist
sehr interessant weil sie es erlaubt, sich Striche oder Formen vorzustellen.
Im Gegensatz dazu erlauben sehr deutlich ausgearbeitete Partien dem Betrachter
keine eigene Interpretation des Portraits. Diese Tatsache ist nicht immer
einfach zu verstehen. Um es mit anderen Worten zu erklären, das Ganze
einmal umgekehrt: Stellen wir uns ein Portrait vor, das mit sehr deutlichen
Linien gezeichnet wurde und dem Modell nicht sehr ähnlich sieht. Es
kann ziemlich unangenehm sein dieses Bild anzuschauen, da man wenig Ähnlichkeit
mit dem Modell findet. Wenn der Künstler dieses Gemälde ändert
und einige Partien nur andeutet, hat das Bild möglicherweise viel mehr Ähnlichkeit
für den Betrachter.
Ich habe selber einige Zeit gebraucht
dieses zu verstehen und an einem Tag, als ich am Porträt meiner Tochter arbeitete, musste ich eine Pause machen,
denn Kunden kamen in mein Atelier. Als ich später das unfertige Bild
wieder sah, fand ich es unglaublich ähnlich, obwohl die Einzelheiten
nicht detailliert ausgearbeitet waren. Ich hatte nur die Umrisslinie und
die wichtigsten Gesichtszüge gezeichnet, ohne weiter zu gehen. Genau
dieser Zwischenraum, den ich leer gelassen hatte, erlaubte mir, das Bild
meiner Tochter, das in meinem Gedächtnis war, nun im Geiste einzufügen.
Genau das war's, was das Bild so ähnlich machte! Ich bin einige Mal
nachschauen gegangen, um mich zu versichern dass ich nicht träumte und
hatte jedes Mal denselben Eindruck. Ich hatte verstanden dass es besser ist,
sparsam mit den Gesichtszügen umzugehen und Raum für die Interpretation
zu lassen, nicht alles zu bestimmen, sondern leicht und weich zu zeichnen.
Es ist besser, manches nur anzudeuten – dafür aber das was man
zeichnet, sehr genau auszuführen
7: An sich glauben und
die Angst vor Misserfolg überwinden: Selbstzweifel
oder die Angst vor Misserfolg sind die schlimmsten Feinde eines Künstlers.
Man muss ein Porträt mit positiven Gedanken zeichnen. Der Künstler
sollte sich sicher fühlen und voller Schwung sein. Vergleichen Sie sich
nicht mit anderen Künstlern, gehen Sie Ihren eigenen Weg so gut Sie
es können und folgen Sie Ihrem Rhythmus. Jeder macht Fortschritte auf seine Weise.
Versuchen Sie Ihre Lust am Zeichnen
zu vergrößern und behalten
Sie Ihre ganz persönliche Sicht des Modells. Haben Sie keine Angst und
riskieren Sie neue Wege beim Zeichnen oder Malen eines Porträts. Denken
Sie daran dass es besser ist eine völlig falsche Skizze zu machen, als
am Ende nur einen halben Erfolg zu erzielen.
Etwas zu riskieren und mutig weiter
zu malen ist besser - und haben Sie einmal ein Porträt gemalt, das dem Modell sehr ähnlich
ist, werden Sie wirklich Vertrauen zu sich finden. Dann wird Ihr Bleistift
ganz von alleine die richtigen Striche zeichnen.
Haben Sie einmal auf diese Art
mit dem Zeichnen begonnen, dann haben Sie nur noch einen Gedanken: Weiter
machen und ein neues Porträt malen.
Sollten Sie Ihre eigene Art der
Portraitmalerei entwickelt haben, so wäre
ich sehr an Ihrer Meinung interessiert. Man hört nie auf zu lernen in
dieser speziellen Kunst.
Der Ausdruck des Gesichts, subtil
und flüchtig, eingefangen in einem
Moment und doch immer wechselhaft, bleibt der schönste Grund den es
gibt zum Zeichnen und Malen.
Gerard Feldmann
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